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Interview mit Sebastian Radtke Was halten deine Eltern von der Thematik deiner Filme bzw. haben Sie sich einmal einen Film von dir angeschaut? Meine Eltern sind eigentlich ziemlich stolz und haben auch alle meine Filme gesehen! Sie haben auch alle Filme auf DVD gekauft, sie besitzen sogar einer der 50 Collector´s Boxen! :) Erzähl doch kurz wie es zu der Gründung von "JS Movie" kam... Das ergab sich von ganz alleine! Anfangs waren „JS MOVIE“ ja nur Carolin Meyer und ich. Im Laufe der Zeit kamen Leute dazu, verschwanden wieder und so weiter. Achja, eine der Standartfragen! :) Also Vorbilder habe ich eigentlich gar nicht so viele. Man wird natürlich ständig inspiriert, aber ich versuche schon meinen eigenen Stil zu finden! Als ich angefangen habe, kannte ich ja keine No bzw. Low Budget Filme oder Regisseure. Ich merkte erst später, dass es eine richtige Amateurfilmszene gibt! Damals stand ich ziemlich auf SCREAM und all diese Teenie Slasher! Das merkt man ja auch bei „Bloody Dawn“ und „Der Blutgänger“. Mittlerweile kann ich diese Teenie Slasher nicht mehr sehen. Ich habe einfach zu viele davon gesehen, denke ich. Inspiriert haben mich viele Filme. Auch Filme wie BRAVEHEART, der nach wie vor mein absoluter Lieblingsfilm ist, gefolgt von BLAIR WITCH II! Zwei wunderbare Filme! Durch BRAVEHEART bin ich auch darauf gekommen, „Tränen einer Rose“ zu drehen. „Tränen einer Rose“ sollte ja anfangs ein authentischer Mittelalterfilm werden, mutierte dann aber zu einem Fantasymärchen. Aber wie gesagt, Vorbilder habe ich nicht viele. Im Laufe der Zeit, hat sich Olaf Ittenbach zu einer Art Vorbild entwickelt. Ich finde seine Filme einfach unglaublich, vor allem war ich erstaunt, als ich BLACK PAST und BURNING MOON das erste Mal sah. Selbst Herr Ittenbach hat ja mal klein angefangen! :) Und vor allem der Quantensprung von BURNING MOON zu PREMUTOS, das war einfach unglaublich. Mein persönlicher Ittenbach Liebling ist allerdings BEYOND THE LIMITS, und nicht PREMUTOS. Wie würdest du deine Filme selbst beurteilen in Bezug auf die häufig diskutierte Gewaltverherrlichung die in Deutschland existiert? Naja, meine Filme waren ja bis jetzt alle relativ unblutig und wenig brutal, zumindest in meinen Augen. Es ist natürlich Blut geflossen, doch war es immer in einem Rahmen, der nie sonderlich gewalttätig erschien. In Zukunft sieht die Sache etwas anders aus, auch in „Psychotica“ sind doch schon ein paar Szenen enthalten, die man im Kino so nicht sehen würde! :) Ich denke, dass für manche Filme solche Szenen einfach erforderlich sind, zumindest wenn alles in einem vertretbaren Rahmen bleibt! Denn ich habe nicht vor, extrem kranke und perverse Szenen in meine Filme einzubringen, ich habe da einige Prinzipien an die ich mich halte. Somit wird wohl keiner meiner Filme je beschlagnahmt! :) Ansonsten muss ich sagen, dass ich alle Formen der Zensur total überflüssig finde! Dann sollen die Deppen doch einfach ein FSK 21 einführen, und aufhören die Filme zu scheiden. Meiner Meinung nach ist jeder mit 21 Jahren in der Lage, zu entscheiden was er sich anguckt und was nicht! Und dafür sollte man auf gekürzte FSK 16 oder FSK 18 Fassungen verzichten, denn ein gekürzter Film ist nur der halbe Filmgenuss! :) Eines muss ich aber noch sagen: Solange brutale Boxkämpfe im Fernsehen gezeigt werden, in denen wirklich Menschen verletzt werden und echtes Blut spritzt, kann ich über die Zensur in Deutschland nur lachen! Wie und wann entstand die Idee zu Psychotica? Ja, da muss ich wohl etwas weiter ausholen! Bereits seit 2 oder 3 Jahren spielte ich mit dem Gedanken, ein Remake von „Bloody Dawn“ zu drehen. Es stand sogar schon das Drehbuch. Nach ausgiebigen Gesprächen haben wir uns dann entschlossen, einen längeren Kurzfilm mit einer anderen Thematik zu drehen. Denn ein Remake wäre ja nichts neues. Ich habe mich dann mit Kay Petzold, einem Teammitglied und sehr guten Freund, unterhalten. Wir haben uns überlegt, zu versuchen diesen Film nur zu dritt zu drehen. Das ganze wäre eine Art Experiment, und irgendwie auch was neues und außergewöhnliches. Also entschlossen wir uns, das ganze zu probieren. Wir merkten schnell, dass es tatsächlich gut funktioniert und somit schrieb ich das Drehbuch um. Wir haben ein paar Szenen rausgenommen, einige Szenen ergänzt und neue Ideen verarbeitet. Schon stand ein Drehbuch, mit dem wir einen 60-Minuten Film drehen können. Um was geht es in deinem Film? Es geht um einen Medizinstudenten, der ein Serum entwickelt hat, dass extrem realistische Visionen hervor ruft. Seine Versuchsperson, eine junge Frau, bekommt durch dieses Serum erschreckende Visionen von ihrem eigenen Tod. Da der Medizinstudent die Visionen auf einem Bildschirm verfolgen kann, stellt er sie am Ende des Experimentes vor die Wahl, auf welche Weise sie sterben möchte. Doch alles kommt anders, denn nichts ist so wie es scheint. Mein Film soll den Zuschauer unterhalten, das ist das wichtigste. Eine Botschaft soll er nicht übermitteln. Das war eigentlich bei all meinen Filme so. Nachdem meine Filme vorgeführt wurden, beispielsweise „Der welke Traum“, sind Leute nach der Vorstellung zu mir gekommen und versuchten, irgendwelche Sachen in den Film herein zu interpretieren. Meine Filme sind eigentlich reine Unterhaltungsfilme, die die unterschiedlichsten Emotionen und Reaktionen bei den Leuten auslösen. Da wäre zum Beispiel eine Szene aus „Der Blutgänger“, als der Mörder dem Typen den Kopf mit einer Axt zerdeppert! Es gibt Leute die ekeln sich davor und halten sich die Hände vor die Augen. Andere fangen an zu lachen. Es kommt also immer auf den Betrachter an, man kann natürlich immer eine Botschaft in einen Film rein interpretieren, aber von mir ist es nicht beabsichtigt! Wie lange dauerten die Dreharbeiten zu Psychotica? Der Film wurde/wird komplett in Eisenhüttenstadt (meiner Heimatstadt) und Umgebung gedreht. Wir haben noch ein paar komplizierte Drehs vor uns, was die Kulissen angeht. Mal sehen, was das noch wird. Ich freu mich drauf! Welches waren die grössten Probleme mit denen Ihr zu kämpfen hattet? Das war eindeutig die kleine Anzahl der mitwirkenden Personen. Wir waren ja nur max. 4 Leute, wobei die 4. Person allein fürs Making Of (Kamera, Fotos) verantwortlich war. Doch bis jetzt hat das alles geklappt, war zwar nicht immer einfach, aber geklappt hat´s am Ende immer! Schreibst Du die Drehbücher ganz alleine? Nein, am Drehbuch für „Psychotica“ haben insgesamt 3 Leute gearbeitet. Und zwar Kay Petzold, Markus Juppe und ich. Somit bringen verschiedene Leute Ideen mit rein und man kann sich super ergänzen! Schaust Du schon beim Schreiben darauf ob die Szenen technisch umsetzbar sind, oder schreibst Du einfach mal drauflos? Sehr gute Frage! Ich schaue tatsächlich schon beim Schreiben einer Szene darauf, dass die Sachen auch umsetzbar sind. Da ich kein Budget für meine Filme habe, kann ich auch keine großartigen Explosionen ins Script schreiben. Doch es kommt von Film zu Film mehr dazu, was man sich zutraut. Wie hoch ist war dein Budget, wenn es überhaupt eins gegeben hat? Wie bei den meisten Independentfilmen gibt es kein Budget. Der Film ist komplett selbst finanziert, aus den Einnahmen der vergangenen Filme. Über Geld spricht man ja auch bekannter Maßen nicht! :) Wie sieht euer Equipment aus? Auf was wird gedreht? Für „Psychotica“ hab ich mir die Kamera dann gekauft, das ständige ausleihen nervt und wird nach einigen Drehtagen auch teurer als die Kamera zu kaufen! Denkst du das Independent Filme in Deutschland eine Zukunft haben ? Es sieht zumindest danach aus. Ich denke, die Szene ist so groß wie nie zuvor und sie wächst ständig weiter. Naja, ich denke das ist der Traum von jedem Filmemacher. Obwohl es eher unwahrscheinlich ist, da sämtliche Einnahmen meiner Filme dann in meine neuen Produktionen fließen, die dann ja auch immer aufwendiger werden. Aber man weiß ja nie, schlecht wäre es natürlich nicht! Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit deinen Filmen. |
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